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Alligatoah – Triebwerke

veröffentlicht: Dienstag, 06.08.2013, 21:41 Uhr

Autor: ProRipper



01. Hört, hört (Intro)
02. Wer weiß
03. Narben
04. Münchhausen I
feat. Lisa Toh
05. Willst du
06. Fick ihn doch
07. Wunderschöne Frau
feat. Shneezin 257 & Timi Hendrix
08. Amnesie
09. Münchhausen II
feat. Lisa Toh
10. Prostitution
11. Rabenväter
feat. Battleboi Basti
12. Erntedank feat. Prinz Pi
13. Münchhausen III feat. Lisa Toh
14. Trauerfeier Lied

Ein altes Sprichwort besagt: "Das Leben ist ein Theaterstück." Und die Menschen nichts als agierende Schauspieler – in diesem Sinne ist der Wahlberliner und Trailerpark-Mitglied Alligatoah Regisseur und Darsteller zugleich. Und das bereits, seit er 2006 zum ersten Mal auf seinem Gratis-Album "ATTNTAAT" von sich hören ließ und in die Rolle des Terroristen Kaliba69 schlüpfte. Seitdem ist viel Zeit verstrichen, in der sich der thematische Fokus von Alligatoah ein klein wenig verschoben hat. Zwar zählen Sturmmaske, AK 47 und Windmühlen – in Anspielung auf die Location seines ersten Videos "Terrorist" – noch heute zum Alligatoahrischen Markenzeichen, inzwischen wurde die Liste aber auch um unter anderem einen Staubsauger und Rosen ergänzt. Und während auf dem letzten Longplayer "In Gottes Namen", der über die damalige Labelsparte von rappers.in erschien, noch in terroristischer Manier Geiseln genommen und Ungläubige missioniert wurden, stehen auf "Triebwerke" etwas alltäglichere Punkte auf dem Spielplan. Kein Geiseldrama mehr, dafür Geschichten, die das Leben schreibt ... mehr oder weniger.

Das zeigt sich schon im Intro "Hört, hört". Alligatoah tritt allein mit Harfenbegleitung als Minnesänger auf und weist auf das Schicksal eines jungen Herren hin, den er im Nachfolgenden natürlich ebenfalls verkörpert. Ein Genie soll er gewesen sein, aber letztlich ist er dann doch den Frauen verfallen. Aber um zunächst mal eine Frau zu bekommen, braucht man was? Richtig: "Narben", denn "jede Wunde ist 'ne Story, also weiter Scherben essen." Doch hat man die Angebetete erstmal für sich gewonnen, ist natürlich noch lange kein märchenhaftes Ende vorprogrammiert, denn durch die eigenen Fehler kann man schnell wieder (un)freiwillig in die Freiheit entlassen werden. Vor allem dann, wenn man "geistig behindert vor Liebe" ist (Alligatoah auf "Wer weiß"). Man könnte zum Beispiel aus Versehen "den Schäferhund der Freundin essen und verdauen" oder zu ihrer "kleinen Schwester netter als erlaubt" sein. Da helfen dann nur noch "Kleider, Juwelen, Diademe", damit die holde Maid schnell wieder an "Amnesie" erkrankt und den Seitensprung verzeiht. Und welches Thema darf in einem Beziehungsdrama auf keinen Fall fehlen? Richtig, die Eifersucht! Der wird mit "Fick ihn doch" mal eben einer der stärksten Tracks der Platte inklusive Mitbrüll-Ohrwurmhook gewidmet.

"In Jalousie-bedeckter Wohnung amüsierst du dich alleine, du hörst Iggy Pop/
Dann fick ihn doch/
Durch zeugenlose Wald und Wiesen gehst du Gassi mit dem Hund in einem Minirock/
Dann fick ihn doch/
An Euphorie-beraubten Tagen frequentierst du eine Kirche und du sprichst mit Gott/
Dann fick ihn doch/
"
(Alligatoah auf "Fick ihn doch")

Ehrlich: Selten wurden Themen rund um Frauen und Beziehungen so irrwitzig und dennoch zum Nachdenken anregend behandelt wie auf "Triebwerke". Dass Alligatoah das mit der Ironie verstanden hat und diese super einsetzen kann, dürfte sowieso schon längst klar geworden sein. Das schafft der Gute hier auch auf kompletter Albumlänge und selbst die heikelsten Themen werden mit viel Humor und Charme behandelt. "Ich nehme gerne Themen zur Hand, die – wenn man sie mit ein paar anderen Worten wiedergibt und von einem Streicherquartett in Moll begleiten lässt – komplett anders wirken würden", erklärte er jüngst in unserem Interview. Das Paradebeispiel hierfür: "Willst du". Hier wird mit der Freundin der "nächste Schritt" gewagt. Und nein, es geht nicht um Hochzeit, sondern ums Drogen nehmen, denn dass das super ist, wurde in "Film und Fernseh'n – da, wo ich meine Bildung hernehm'" schon oft genug vorgespielt. Also los: "Komm, wir geh'n zusamm'n den Bach runter!" Wunderschön. Um sich besser ins andere Geschlecht hineinversetzen und so noch alles realistischer gestalten zu können, entstand dann wohl der Titel "Wunderschöne Frau". Hier spielen neben Alligatoah selbst noch die zwei anderen "schlechtesten Transvestiten Deutschlands" mit: Shneezin von den 257ers und Trailerpark-Kollege Timi Hendrix. Und auch, wenn keiner der beiden Gäste so wirklich an das raptechnische Level des Hauptakteurs herankommt – der Song ist allein dank der Hook schon wieder ein unglaublicher Ohrwurm. Das kann er ja generell gut, der Alligatoah: Jede Hook auf "Triebwerke" enthält ohrwurmtaugliche Gesangspassagen, die man unwillkürlich auch lange, nachdem man die CD aus seiner Anlage herausgenommen hat, im Kopf weiter mitsummt. Neben Shneezin und Timi Hendrix wurden übrigens auch Prinz Pi und Battleboi Basti als Featuregäste verpflichtet. Während Ersterer auf dem Schlussmachlied "Erntedank" leider nicht ganz an seine übliche Form herankommt – ihm scheinen weder der rockigere Beat noch das Thema so wirklich zu liegen – schafft es der liebe Battleboi, hier mit Fiksch-Stimme, gemeinsam mit seinem Stadtkollegen einen wunderschönen Dialog abzuliefern. Auf "Rabenväter" findet ein Kräftemessen zwischen Alligatoah und Basti statt – anstelle des obligatorischen Schwanzvergleichs allerdings mit dem Nachwuchs, der strengen Erziehungsmethoden ausgesetzt ist. Gesellschaftskritik wie gewohnt zwischen den Zeilen.

"Kommt mein Sohn raus, läuft er Amok, nur mit Axt und Motorsäge/
Frag' mich, woher hat der Bastard seine Aggressionsprobleme/
Okay, der Junge ist nicht fehlerlos, obwohl ich ihn extrem erzog/
Hm ... Vielleicht klappt's ja beim nächsten Sohn/
"
(Alligatoah auf "Rabenväter")

"Prostitution" erhebt währenddessen den mahnenden Zeigefinger, dass man in diesem Gewerbe agierende Frauen nicht herabstufen sollte, so lange man selbst dem eigenen Chef für ein paar Scheine "in den Arsch kriecht". Top! Dazu eine wilde musikalische Untermalung mit jeder Menge Trompeteneinsatz und scheppernden Drums. Bei der Instrumentierung ist generell jeder Vorwurf fehl am Platz, denn hier ist alles in sich stimmig. So klingt das eben, wenn Rapper und Produzent zu einer Einheit verschmelzen – kein Wunder, wurde doch abermals alles von Alligatoah selbst ausproduziert. Zusammenfassend kann man "Triebwerke" definitiv als etwas mehr als "nur" rund bezeichnen. Die Instrumentals passen perfekt zu Alligatoah, das Album ist in sich geschlossen und thementechnisch super durchkonzeptioniert. Doch auch, wenn sie ins Konzept passen: Auf die drei "Münchhausen"-Skits hätte man meiner Meinung nach gut und gerne verzichten, oder sie zumindest zu einem Track verschmelzen können. Textlich zwar wieder erste Sahne – der Hauptprotagonist flunkert den Ladies hier mit drei 16ern ein paar elegante Lügen vor, um sie ins Bett zu kriegen – aber Sängerin Lisa Toh mag nicht so ganz ins Gesamtbild passen. Schade, hat "Münchhausen III" doch durchaus einen interessanten Wendepunkt. Dazu kommt, dass bereits vor dem Album-Release ein Großteil der tatsächlichen Hits bekannt war – dazu zählen alle erschienenen Video-Singles. Das schmälert den Hörgenuss zwar nicht, sorgt beim ersten Duchhören der Platte allerdings für Ernüchterung. Kaum ein Song der Platte hat ein höheres Ohrwurmpotenzial als ebendiese, allen voran "Amnesie".

"Ich habe deinen Schäferhund gegessen und verdaut/
Ich war zu deiner kleinen Schwester netter als erlaubt/
Ich hab' dich wieder mal mit der Toilettenfrau vertauscht/
Ich glaub', ich schlafe heute Nacht wohl besser auf der Couch/
Doch wenn du morgen wieder Diamanten kriegst/
Und dem Glanz erliegst – dann hast du Amnesie/
"
(Alligatoah auf "Amnesie")

Fazit:
Sein Terroristenimage hat er zwar weitestgehend abgelegt, seinen beißenden Humor und die Ironie allerdings noch lange nicht: "Triebwerke" reiht sich trotz komplett anderer Thematik als auf den Vorgängern nahtlos in die Diskografie des Schauspielrappers ein. Mehr noch: Es perfektioniert die ironisierte Gesellschaftskritik und rundet diese mit Ohrwurmhooks nonstop ab. Hier und da hätte man auf Featuregäste verzichten können, denn Alligatoah kommt auch wunderbar allein zurecht – sowohl auf Rap- als auch auf Produzentenebene. Und ein wenig länger hätte die Platte sein dürfen, denn nach Abzug vom Intro, den drei "Münchhausen"-Skits und dem abschließenden "Trauerfeier Lied" bleiben gerade mal neun Songs über, von denen man vier schon vor Veröffentlichung kannte. Trotzdem wage ich an dieser Stelle zu behaupten, dass "Triebwerke" bereits jetzt zu einem der besten Releases dieses Jahres zählt. Und das zu Recht.


Pascal Ambros (ProRipper)



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